Das zweite war ein Israelit in der Zeit von Ğuraiğ. Ğuraiğ war ein Mönch, der sich in eine Zelle zurückzog und seine Zeit dem Gebet und Gottesdienst für Allah widmete. Eines Tages suchte Ğuraiğs Mutter ihn auf und bat ihn um Hilfe, als er in seine Gebete vertieft war. Er sagte: "Oh Allah! Ich bin verwirrt, wem soll ich den Vorrang geben; meinen Gebeten oder meiner Mutter?" Er zog es vor, seine Gebete weiter zu verrichten und lehnte die Bitte seiner Mutter um Hilfe ab. Als sie das sah, ging Ğuraiğs Mutter weg.
Am folgenden Morgen tat die Mutter dasselbe, und Ğuraiğ verrichtete weiter seine Gebete und wies seine um Hilfe bittende Mutter ab. Am folgenden Tag kam Ğuraiğs Mutter wiederum zu ihm und bat ihn um Hilfe, wie sie es die letzten zwei Tage getan hatte. Ğuraiğ antwortete nicht. Als sie dies sah, sagte die Mutter: "Oh Allah! Lass Ğuraiğ in die Gesichter der Prostituierten sehen, bevor er stirbt." Zu jener Zeit bewunderten die Israeliten die Menge und die Art von Ğuraiğs Gottesdienst, Gebeten und Zurückgezogenheit, derer er sich selbst gewidmet hatte.
Eine sehr hübsche und anziehende Prostituierte, die in der Zeit bekannt war, schlug den Israeliten vor: "Wenn ihr wollt, kann ich Ğuraiğ in Versuchung führen und verursachen, dass er sich in mich verliebt und illegale sexuelle Dinge mit mir macht." Die Prostituierte setzte in die Tat um, was sie vorgeschlagen hatte. Sie versuchte ihr Bestes, um Ğuraiğ zum illegalen Geschlechtsverkehr mit ihr zu verlocken, aber zu ihrer Überraschung und ihrer Bestürzung schlugen ihre Versuche fehl. Da näherte sie sich einem Schafhirten, der in der Nähe von Ğuraiğs Zelle seine Schafe zu weiden pflegte und bot sich dem Schafhirten an, der sie nicht abwies.
Die Prostituierte wurde schwanger. Bei der Entbindung beschuldigte sie Ğuraiğ, der Vater des Kindes zu sein. Die Israeliten drangen in Ğuraiğs Zelle ein, warfen ihn hinaus, zerstörten seine Zelle und begannen, ihn zu schlagen. Er fragte: "Was ist los? Warum tut ihr das?" Sie sagten: "Du hast mit dieser Prostituierten Unzucht getrieben und sie gebar ein Baby von dir, wo du doch vorgibst, so ein frommer Mann zu sein." Ğuraiğ sagte: "Könnt ihr das Baby herbringen und mich meine Gebete verrichten lassen, damit ich versuchen kann, euch zu zeigen, dass ich nicht der Vater dieses Kindes bin." Die Israeliten erlaubten Ğuraiğ seine Gebete zu verrichten und brachten ihm das Baby.
Als Ğuraiğ seine Gebete beendet hatte, ging er zu dem Baby und zeigte mit seiner Hand auf seinen Bauch und fragte: "Wer ist dein wirklicher Vater, Baby?" Das Baby, das noch in der Wiege lag, sagte: "Mein Vater ist der Schafhirte." Als sie die Aussage und das Bekenntnis des Babies hörten, begannen die Israeliten, Ğuraiğ zu küssen, suchten seinen Segen und sagten: "Sollen wir deine Zelle für dich aus Gold wieder aufbauen?" Er sagte: "Nein. Baut sie lieber nur aus Lehm und Schlamm wieder auf, so wie sie vorher war." Und das taten sie.
Das dritte war ein Kind, das an der Brust seiner Mutter trank, als ein Ritter, der ausserordentliche Kleider trug, auf einem schönen Pferd vorbeiritt. Die stillende Mutter sagte: "Oh Allah! Lass meinen Sohn in Zukunft wie dieser Ritter sein." Als er diese Bitte hörte, ließ das trinkende Kind die Brust seiner Mutter los und sagte, während er den Ritter ansah: "Oh Allah! Mache mich nicht in Zukunft wie diesen Ritter."
Dann begann das Kind wieder zu trinken. (Der Überlieferer dieses Hadith, Abu Hurairah (radia-llahu ´anhu. Allahs Wohlgefallen auf ihm), sagte: "Ich kann mich erinnern, wie der Prophet (salla-llahu ´alaihi wa salam. Allahs Segen und Frieden auf ihm) das Trinken des Kindes an der Brust der Mutter nachahmte, indem er seinen Zeigefinger in den Mund steckte und daran saugte.")
Dann kam an der Mutter und dem trinkenden Kind eine Magd, die von ihrem Herrn geschlagen wurde, vorbei und andere beschuldigten sie der Unzucht und des Diebstahls. Die Magd sagte immer wieder: "Allah genügt mir und Er ist mein Wächter." Die Mutter sagte: "Oh Allah! Lass mein Kind nicht in Zukunft wie diese Frau sein!" Als es die Aussage der Mutter hörte, ließ das Kind die Brust der Mutter los und sagte: "Oh Allah! Lass mich in Zukunft wie diese Frau sein!" Als die Mutter die Aussage ihres Kindes hörte, sagte die Mutter zu ihm:
"Sohn! Was ist mit dir? Ein hübsch gekleideter Ritter kam auf einem wirklich schönen Pferd vorbei, von hohem Stand und Macht, und ich wünschte, dass du in Zukunft wie er wärest; du lehntest ab, wie er zu sein. Dann kam die Magd, die wegen der Anschuldigung der Unzucht und des Diebstahls geschlagen und bestraft wurde, und ich bat Allah, dass du nicht wie sie gequält und beschuldigt wirst; du lehntest mein Bittgebet ebenfalls ab." Das Kind sagte: "Mutter, was den Ritter anbelangt, er war ein Tyrann und deshalb bat ich Allah, mich nicht wie ihn sein zu lassen. Was die geschlagene und beschuldigte Magd betrifft, sie hat weder Unzucht getrieben, noch gestohlen. Deshalb bat ich Allah, mich so unschuldig und rein wie sie zu machen!" (Dieser Hadith wurde bei Bukhary und Muslim berichtet.)
Islamische Lehren warnen davor, den Eltern ungehorsam zu sein, sie nicht zu respektieren und ihre finanziellen Rechte nicht zu erfüllen. Abu Bakrah (radia-llahu ´anhu. Allahs Wohlgefallen auf ihm) berichtete, dass der Gesandte Allahs sagte:
"Die Bestrafung für alle weltlichen Sünden können von Allah bis zum Tag des Gerichts hinausgezögert werden, außer für die Sünde des Ungehorsams der Kinder ihren Eltern gegenüber. Die Bestrafung dieser Sünde wird zu Lebzeiten des Menschen durchgeführt und nicht bis später verzögert."(Dieser Hadith wurde von al-Hakim berichtet.)
Es wird auch berichtet, dass der Gesandte Allahs (salla-llahu ´alaihi wa salam. Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte:
"Wahrlich, Allah hat euch verboten, zu euren Müttern ungehorsam und widerspenstig zu sein, den Leuten nicht geben, was ihnen zusteht, aber selbst die Leute um etwas zu bitten, wozu ihr nicht berechtigt seid. Er hat desweiteren verboten, eure neugeborenen Mädchen lebendig zu vergraben. Er mag es auch nicht, wenn ihr sagt: "Es wurde gesagt: das und das. Und: „Man hat gesagt: Dies und das." Er hat euch ebenfalls verboten, andere wiederholt zu bitten, euch zu geben; oder nach jedem Ding zu fragen, das ihr seht; oder euer Geld zu verschwenden (ohne triftigen Grund)." (Dieser Hadith wurde bei Bukhary und Muslim berichtet.)
Der Gesandte Allahs (salla-llahu ´alaihi wa salam. Allahs Segen und Frieden auf ihm) betonte, dass die Güte und Freundlichkeit zu den Eltern für die Erfüllung der Bittgebete (Du´a) und der Gebete des Menschen während seines gesamten Lebens unerlässlich ist. Ibn `Umar (radia-llahu ´anhu. Allahs Wohlgefallen auf ihm) berichtete, dass Allahs Prophet (salla-llahu ´alaihi wa salam. Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte:
"Vor langer Zeit brachen drei Männer zu einer Reise auf. Als die Nacht hereinbrach, schliefen sie in einer Höhle am Fuße eines Berges. Nachdem sie die Höhle betreten hatten, rollte ein Findling herab und verschloß die Öffnung der Höhle vollständig. Sie sprachen miteinander und kamen zu dem Entschuß, dass es nun keinen Ausweg mehr gab, außer durch Gebete und Bittgebete. 'Wir sollten Allah mit unseren besten und rechtschaffendsten Taten, die wir in unseren Leben vollbracht haben, um Hilfe bitten.'
Der erste Mann sagte: 'Oh Allah! Nie habe ich meiner Frau und meinen Kindern etwas zu essen oder zu trinken angeboten, bevor ich meinen Eltern, die schon älter waren, etwas angeboten hatte. Eines Tages musste ich weit gehen, bevor ich Futter für meine Herde fand, und ich kam spät zurück. Nach meiner Heimkehr fand ich meine Eltern schlafend vor. Ich melkte die Schafe, um meinen Eltern ihr Abendessen anzubieten, aber ich hasste, sie zum Trinken aufzuwecken. Trotzdem bot ich meiner Frau und meinen Kindern nichts an, bevor ich es ihnen anbot. Ich verharrte stehend neben ihnen mit dem Milchtopf in der Hand und wartete darauf, dass sie aufwachten. Bei Tagesanbruch erwachten sie, aber zu der Zeit schrien meine Kinder zu meinen Füßen nach Milch. Da standen sie auf und ich bot ihnen ihre Milch an. Oh Allah! Wenn du weisst, dass ich dies um Deinetwillen getan habe, erlöse uns bitte von diesen Schwierigkeiten, unter denen wir leiden.' Hierauf bewegte sich der Felsen etwas von dem Eingang der Höhle weg, aber es war noch nicht genug, um einen Mann heraus zu lassen.
Der zweite Mann sagte: 'Oh Allah! Ich hatte eine Kusine von der Seite meines Vaters, die war mir die liebste Frau auf der Erdoberfläche. Ich war sehr schlecht und wollte, dass sie mich liebte, aber sie wies mich ab. Nach einiger Zeit hatte sie schwere finanzielle Probleme und litt Hunger. Sie kam zu mir und bat mich um Hilfe. Ich bot ihr einhunder tund zwanzig (120) goldene Dinar, wenn sie mich von ihr haben ließe, was ich wollte, d.h. illegitimen Geschlechtsverkehr (außerehelich).
Unter dem Druck ihres Notstands und ihrer ärmlichen finanziellen Lage stimmte sie zu. Als ich bereit war, den Geschlechtsverkehr mit ihr zu vollziehen, sagte sie: 'Oh Kusin! Fürchte Allah! Und brich´ nicht das Siegel der Jungfräulichkeit, außer auf erlaubte Weise!' Als ich dies hörte, stand ich auf und berührte sie nicht wieder, obwohl sie die Frau war, die ich am meisten liebte und begehrte. Ich nahm das Gold, das ich ihr gegeben hatte, nicht zurück.' Dann erhob er seine Hände zum Himmel und sagte: 'Oh Allah! Wenn Du weisst, ich tat das, was ich getan habe, um Deinetwillen und für Deine Zufriedenheit, bitte nimm die Schwierigkeiten von uns, unter denen wir leiden. Bewege den Stein vor dem Eingang der Höhle weg, damit wir hinaus können!' Nachdem er dies ausgesprochen hatte, bewegte sich der Felsen wiederum ein kleines Stück, so klein, dass noch immer keine Person die Höhle verlassen konnte.
Der dritte Mann sagte: 'Oh Allah! Du weisst, dass ich einst ein paar Arbeiter beschäftigte und am Tagesende zahlte ich ihre Löhne, außer dem, der ohne seine Bezahlung abzuwarten, wegging. Also investierte ich seinen Lohn in meine Geschäfte und machte eine besondere Notiz und Berechnung dafür. Das Geld des Arbeiters vermehrte sich im Laufe der Jahre enorm. Eines Tages, nach vielen Jahren, kam der Arbeiter und fragte mich nach dem Lohn, den er für diesen Arbeitstag nicht genommen hatte. Ich zeigte ihm eine große Menge, bestehend aus einer Herde Schafe, Kühe, Kamele, Sklaven und Diener und sagte zu ihm: 'Alles, was du siehst, ist dein! Das ist der Lohn, den ich dir schulde!' Der arme Arbeiter war erstaunt und sagte: 'Bitte mach´ dich nicht über mich lustig und scherze nicht! Ich bat dich nur um den Lohn von dem einen Tag.' Der Arbeitgeber sagte: 'Ich mache mich weder über dich lustig noch scherze ich. Dies alles ist dein!' Der Arbeiter nahm alles, was ihm gezeigt wurde und ging.
Dann erhob der Mann die Hände zum Himmel und sagte: 'Oh Allah! Wenn ich das, was ich getan habe nur um Deinetwillen und für Deine Zufriedenheit getan habe, nimm die Schwierigkeiten, unter denen wir leiden, von uns.' Hierauf rollte der Stein vor dem Eingang der Höhle weg und die drei Männer verließen die Höhle." (Dieser Hadith wurde bei Bukhary und Muslim berichtet.)
Die Islamischen Lehren betrachten die Zufriedenheit der Eltern, die Güte, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Aufmerksamkeit, Respekt und Fürsorge als einen der Gründe für die Vergebung von Sünden in dieser Welt.
Es wird berichtet, dass ´Abdullah Ibn ´Umar (radia-llahu ´anhu. Allahs Wohlgefallen auf ihm) sagte: "Ein Mann kam zum Gesandten Allahs (salla-llahu ´alaihi wa salam. Allahs Segen und Frieden auf ihm) und sagte: 'Oh Prophet! Ich habe eine große Sünde begangen. Meinst du, ich kann bei Allah dafür bereuen?' Der Gesandte Allahs (salla-llahu ´alaihi wa salam. Allahs Segen und Frieden auf ihm) fragte den Mann: "Lebt deine Mutter noch?" Der Mann verneinte. Der Gesandte Allahs (salla-llahu ´alaihi wa salam. Allahs Segen und Frieden auf ihm) fragte den Mann weiter: "Hast du eine Tante von der Seite deiner Mutter, die noch lebt?"
Der Mann bejahte. Der Gesandte Allahs (salla-llahu ´alaihi wa salam. Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte zu ihm: "Sei freundlich, fürsorglich, hilfsbereit, gütig, respektvoll und eifrig zu ihr." (Dieser Hadith wurde bei Tirmidhi berichtet.) Dies ist so, weil die Schwester der Mutter im Islam einen ähnlichen Status und eine ähnliche Position wie die Mutter selbst besitzt. Der Gesandte Allahs (salla-llahu ´alaihi wa salam. Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte: "Der Schwester der Mutter gebührt eine ähnliche Position und Stellung wie der Mutter." (Dieser Hadith wurde bei Bukhary und Muslim berichtet.)
Der Islam bestimmt, dass die Rechte der Eltern sogar nach ihrem Tod noch geehrt und respektiert werden. Maalik ibn Raabii´ah berichtete: "Als wir mit dem Propheten (salla-llahu ´alaihi wa salam. Allahs Segen und Frieden auf ihm) saßen, kam ein Mann von den Bani Salamah zu ihm und fragte: 'Oh Gesandter Allahs! Meine Eltern sind verstorben. Gibt es irgendetwas, zu dem ich verpflichtet bin, als ihr Recht nach ihrem Tod, das ich aufrechterhalten muss?' Der Gesandte Allahs (salla-llahu ´alaihi wa salam. Allahs Segen und Frieden auf ihm) sagte:
"Ja, natürlich. Du solltest Bittgebete und Gebete ihnen zugunsten machen. Bitte Allah regelmäßig für sie um Vergebung und Verzeihung. Erfülle ihre Versprechen oder Treueeide, die sie anderen gemacht und geschworen haben. Zeige Ehre, Respekt und Gastfreundlichkeit gegenüber ihren Freunden und erhalte feste Verbindungen mit deinen Verwandten, was deine Liebe und Respekt zu deinen Eltern zeigt." (Dieser Hadith wurde bei Abu Dawud und Ibn Majah berichtet.)
Alles was wir festgestellt und illustriert haben, sind lediglich breite Richtlinien über die hauptsächlichen und grundlegenden Rechte der Eltern im Allgemeinen und der Mütter im Besonderen gemäß den Islamischen Lehren. Es gibt noch mehr Rechte der Eltern, die wir nicht zitiert haben, um den Leser nicht zu langweilen.